Nachruf für
Wilhelm Graf Wurmbrand-Stuppach
Geboren: 29. August 1884
Gefallen: 15. Dezember 1914
Aufgeschrieben von seinem Vater Paul Graf Wurmbrand-Stuppach
Transkription des in Kurrentschrift verfaßten Originals in Frohsdorf.
Die Rechtschreibung wurde unverändert beibehalten.
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Wilhelm |
| Wilhelm Graf Wurmbrand-Stuppach wurde als Sohn des Paul Graf
Wurmbrand-Stuppach k.u.k. Kämmerer und Oberleutnant im 6ten Dragoner Regiment und Flora
Gräfin Wurmbrand-Stuppach geborene von Pongratz am 29ten August 1884 in Laibach geboren. Seine ganze Jugend verbrachte er im Elternhaus, die als Offiziers-Ménage allerdings ein ziemliches Nomadenleben führten. Premysl, Brünn, Waikowitz, Staatz, B(ischof) Teinitz, Klattau sind die Wohnorte, die Wilhelm in seiner frühesten Jugend kennen lernte. Im Herbst 1899 wurde sein Vater als Stabsoffizier des 14ten Dragoner Regimentes nach Prag versetzt, und da studierte Wilhelm zwei Gimnasialclassen auf der Strakaischen Academie. Im Herbst 1901 musste er wieder mit seinen Eltern nach Stanislau, wohin das Regiment Windisch-Graetz Dragoner verlegt wurde. Im Jahre 1903 absolvierte Wilhelm die Matura auf dem zunächst Stanislau gelegenen deutschen Gimnasium Brody. Studierte die zwei ersten Universitätsjahre in Wien, wo er auch die erste Staatsprüfung bestand und rückte hierauf zum 6ten Dragoner Regiment als Einjehrig Freiwilliger nach Brünn ein. Im Mai 1906 kam er nach Enns zum Rgiment, wo er im Sommer den für seine Zukunft verhängnisvollen Sturz mit einem Motorrad machte, bei dem er knapp einer Gehirnentzündung entkam. Im Herbst desselben Jahres verlobte sich Wilhelm mit seiner Cousine Frl. Irma von Pongratz. Am 1ten Jänner 1907 wurde er zum Leutnant der Reserve des 4ten Dragoner Regimentes ernannt, doch kurze Zeit hierauf auf Ansuchen seines Vaters zum 5ten Dragoner Regiment transferiert, welches zu der Zeit sein Vater comandirte. Im Mai rückte er zu seiner ersten Waffenübung nach Wr. Neustadt zum Regiment ein und absolvierte diese bei der 1ten Escadron. Die Eltern Wilhelm`s und Irma`s erstanden Schloss und Besitz Friedau a./d. Drau für ihre Kinder, deren Vermählung am 10ten Februar 1908 stattgefunden hat. In Friedau fand Wilhelm ein fruchtbares Feld für seine Thätigkeit und Talente, sowohl als Landwirt als auch als Jäger. Beiden oblag er mit seltener Passion und Geschicklichkeit, so, daß in den wenigen Jahren, die ihm vergönnt waren, Friedau zu führen, er dasselbe sowohl wirtschaftlich bedeutend gehoben hat, als auch das Schloß und den Parck verschönte. Auch als Waidmann und Schütze eroberte sich Wilhelm bald einen für seine Jugend hervorragenden Ruf. Am 1. Dezember 1908 wurde ihm eine Tochter geboren, die den Namen Marie erhielt, am 18ten Mai 1911 schenkte ihm seine Frau eine zweite Tochter, die Flora getauft wurde. |
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| Durch den Sturz mit dem Motorrad litt Wilhelm an sehr heftigen Kopfschmerzen, namentlich beim Reiten und wenn er den Helm tragen mußte. In Folge dessen ließ er sich superarbitriren und wurde von der Commission als Kriegsdienst untauglich zu Localdiensten geeignet befunden nur als Leutnant ausser Dienst geführt. Als im Juli 1914 die theilweise, im August die Mobilisierung sämmtlicher Streitkräfte erfolgte, musste Wilhelm nach Krems einrücken, um für ein Sappeurbataillon die Pferde zu assentieren und zu beschirren, welche Aufgabe er in der kürzest vorgeschriebenen Zeit zur vollsten Zufriedenheit des Bataillons Comandanten löste. Doch das genügte nicht Wilhelms Charakter, Patriotismus und Tatendurst. Er ließ sich trotz seinem Leiden rearbitriren, was ihm auch in kürzester Zeit gelang. Auf die Gegenvorstellungen seines Vaters antwortete er: " Ich müsste mich schämen zu Haus zu bleiben. Ich fühle mich vollkommen wohl und gesund und wenn ich jagen kann, kann ich auch vor den Feind gehen. Ich müßte mich schämen zu Hause zu bleiben, wenn die anderen kämpfen." Nach seiner Rearbitrirung wurde Wilhelm zur Ersatz Eskadron des 5. Dragoner Regimentes , dem er angehörte, nach Marburg eingetheilt. Nach Aussagen und Briefen seines Comandanten Major Altgraf Robert Salm erwies sich Wilhelm auch dort als ein sehr fleissiger, tüchtiger, strebsamer und geschickter Offizier. Auszug aus einem Brief Major Altgraf Salm´s an Wilhelm´s Vater: " Ich kann Dir nur sagen, daß Wilhelm seine Sachen großartig und mit großem Eifer und Geschick angeht und ich sehr zufrieden mit ihm bin, es ist kaum zu glauben, daß er nur eine Waffenübung an der Front mitgemacht hat, ich kann nur wiederholen " echtes Soldatenblut , der würdige Sohn seines Vaters, dessen Vorbild ihm wohl vorschweben dürfte." Am 10. Oktober 1914 wurde Wilhelm mit einem Transport von 100 Pferden und 50 Begleitpersonen nach Galizien abgeschickt, um die Pferde als Ersatz an das 15te Dragoner Regiment abzugeben. Mit der Mannschaft sollte Wilhelm wieder nach Marburg zurückkehren. Beim Regiment in Galizien eingetroffen, bat Wilhelm, nachdem er die Pferde in bester Ordnung übergeben hat, den Obersten und Comandanten des 15. Dragoner Regimentes Alfred Brosch Edler von Fohraheim am Kriegsschauplatz bleiben zu dürfen, was ihm der Oberst unter Hinweis, daß es seine Machtvollkommenheit überschreite, abschlug. Generalmajor Otto Berndt, Comandant der 4ten Cavallerie Truppen Division, dem das 15te Dragoner Regiment angehörte und dem Wilhelm seine Bitte wiederholte, bewilligte ihm dieselbe und theilte Wilhelm samt seiner Mannschaft beim 15. Dragoner Regiment ein. Als Wilhelms Vater dies erfuhr, beeilte er sich, um Wilhelms eigenes Pferd, das in Marburg geblieben war, sowie das ganze Sattelzeug und noch einigen anderen unbedingt nothwendige Ausrüstungsgegenstände mit Wilhelms Offiziersdiener durch die Ersatz Eskadronen des 5. Und 15. Dragoner Regimentes an seinen Sohn schicken zu lassen, um ihm halbwegs entsprechend ausgerüstet am Kriegsschauplatz zu wissen. |
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Wilhelms Brief vom Kriegsschauplatz Zuranica nördlich Premysl 22.10.1914 |
| Liebe Eltern! Durch einen maroden Offizier sende ich Euch diesen Brief. Ich habe, wie Vater es ja weiß einen Transport nach (Name unleserlich) Pass geführt. Bin dann über Sandez (?) nach Jaslo, dort auswagonirt, von Jaslo über Krosno (Saustall) nach Jesenica. In Jesenica war ich in einem Schloss einquartirt, wo 3 Tage vorher noch die Russen waren; im Zimmer der Schlossherrin, in ihrem Bett habe ich geschlafen, habe es aber nur eine Stunde ausgehalten, da von den Russen der ganze Parfum dort gelehret, die Flaschen zerschlagen und so ein betörender Geruch war, daß mir beinahe schlecht geworden ist. Die Pferde und Mannschaft, 100 Pferde und 56 Mann, waren im Meierhof untergebracht. Bis über die Beine im unausgedroschenen Weizenstroh. Könnt Euch dencken, wie die Vieher gefressen haben. Der Verwalter im Schlosse erzählte vom russischen Oberst, der unendlich freundlich war, aber den Schreibtisch im Schlosse persönlich aufgebrochen hat. Dann weiter über Grafonitza nach Dinow. Das Entsetzlichste ist das Marschiren im Train. Ich war ganz heiser von dem ewigen Schreien. Zum Schluss habe ich eine Peitsche mir construirt und rücksichtslos gedroschen. Dinow Nächtigung im Freien, der erste Kanonendonner in der Ferne zu hören, vollkommen demolirtes Schloss mit prachtvoller alter Einrichtung, das Weinen ist einem gekommen bei dem Anblick. (Leider auch sehr viel von eigenen Leuten demoliert - ungarische Artillerie). Dann weiter nach Prucknich (?), die elendeste Strasse, die man sich nur denken kann, ganz unbeschreiblich. Feindlicher Aeroplan sehr hoch über uns (Zeichen: ein schwartzer Kreis mit weissem Punkt), man darf aber nicht schiessen ohne Befehl von einem Stabsoffizier. In Prucknich (?) bei einem sehr alten böhmischen Trainmajor zum Essen eingeladen. Seit 3 Tagen was Warmes, ist sehr angenehm. Das unangenehmste ist der Durst, da man nirgends ein Wasser trinken darf. In Pruchnich erfahre ich, daß die Division General Berndt Dragoner Rgmt. 15, Dragoner Rgmt. 9, Ulanen Rgmt. 1 u. 13 in und um Rokietnica sind; also los und weiter. Da ich auf der Strasse nicht mehr weiter komme, biege ich auf die Felder ab, die aber längs der Strasse in der Breite von 1000 Schritt auch kaum passierbar sind und erst über diese Distanz benützbar. Reiten durch verlassene Artillerie und Infanterie Stellungen bei einer ganz zerschossenen Kirche vorbei, man kann dies nicht so schreiben diese vielen Eindrücke, das muß man erzählen. So habe ich mich bis Rokietnica durchgewurstelt und habe wirklich Gott gedankt, wie ich endlich mit allen und gesunden Pferden und Mann, ohne was verloren zu haben, angekommen bin. Meldung beim Generalen, der sehr erfreut war, seine alten 5. Dragoner zu sehen und eine Schachtel Cigaretten für die Mannschaft gab. Mit Egon geschlafen, der sehr nett war. Nächsten Tag durch einen Theil der Fahrt von Premysl ( richtig interessant) nach Zwanica. Hier sind wir jetzt seit 4 Tagen. Morgens und abends Kanonendonner. Man gewöhnt sich daran, daß man`s gar nicht mehr merkt. Es steht, scheint es, sehr gut. Die Russen über den Sav wollen immer wieder herüber, werden aber immer wieder blutig zurück geschlagen. Wir sind mit grossen Theilen südlich Premysl, trachten über den Sav bis Stry und wollen die Russen nördlich gegen Lemberg abdrücken. Die Meinung ist nämlich irrig, daß die Russen die Gegenkräfte gegen Hindenburg concentriren, sondern es stehen hier ganz bedeutende Kräfte. Gestern war ich in Premysl, habe Massen von russischen Gefangenen gesehen. Arme Teufel, gut adjustiert und ausserordentlich praktisch. Meine Feldpostnummer ist 67. Bitte sendet mir folgende Sachen: Schwartze Ledergamaschen, 1 Paar Halinajagdschuhe wie der Vater sie hat, 3 Paar warme Socken, 3 Paar Kamelhaarsocken, 3 Paar warme Unterhosen, 1 Swe(a)ter weich und leicht, 3 Flanellhemden, ein Instrument, um auf den Karten die Km Anzahl abzunehmen, 100 Stk gute Cigaretten, 1 Paar grosse, warme Handschuhe (Leder). Wie Ihr das absendet, weiss ich nicht, aber die Pakete bitte in Wichsleinwand fest einschnüren. Vielleicht durch`s Rote Kreutz oder Vater wird sich schon erkundigen, wie es am besten geht. Die Gamaschen können schwartz oder gelb sein, nur nicht bei Goldman und Salaba, die sind schlecht gewesen, die ich bei ihm kaufte, haben mich am Schienbein ganz aufgedrückt. Der Hans kann gar nicht weit von hier sein, da Zedwitz vorgestern in Premysl gesehen wurde. Ich werde ihn schon wo finden. Alles Herzliche an Euch, liebe Eltern; es umarmt Euch innigst (jetzt schiessen unsere grossen Mörser) Euer stets treu und dankbar ergebener Sohn Wilhelm |
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Wilhelms Feldpostkarten |
1.) Liebste Mutter ! Noch eine große Bitte habe ich, bitte sende mir 3 Blechschachteln Creme de Menthe von Keilers Ltd Dundee London und Tangermünde (Germany) das ist so richtig erfrischend. Du wirst es in irgend einem feinen Geschäft finden. Ein Paar Mass Wickelgamaschen. Handküsse Wilhelm. 2.) 1.November 1914 Liebe Eltern ! Habe die Feuertaufe glücklich hinter mir, es geht vorwärts, es ist bitter kalt. Bitte Conserven, aber kein Gulyas. Habt Ihr Karten und Briefe erhalten? Sind jetzt in einem Quartier, endlich ein Zimmer. Küsse Wilhelm. 3.)
3/11. 14 Liebe Eltern ! Heute bin ich zu müde um ausführlicher zu schreiben. Hoffentlich habt Ihr alle meine Karten und Briefe mit Bitten erhalten. Wir haben die Russen vertrieben (feige Kerle). Letzthin sind 3 russische Späher zur Fuhrküche gekommen. Wie sie die Küche gesehen, haben sie sich sofort als Gefangene gemeldet. Es umarmt Euch herzlichst Wilhelm 4.) 22./11. 14 Lieber Vater ! Im Schnee und hohen Bergen feiern wir lustig, sonst geht es uns sehr gut. Zigaretten, Latern und Kartenschutz vorgestern erhalten. Handkuss Wilhelm 5.) 8./12. 14 Lieber Vater ! Bin sehr stolz, da ich bei meinem Zug 4 silberne Tapferkeitsmedaillen und eine lobende Anerkennung habe. Es geht vorwärts. Handkuss Wilhelm Habe vor einigen Tagen Gewehre erbeutet und anderes auch. 6.) 8./12. 14 Liebste Mutter ! Danke herzlichst für alle guten Ess- und Bekleidungssachen, bin jetzt vollkommen ausgestattet. Pferd auch schon angekommen. Mir geht es gut und es geht jetzt langsam aber sicher vorwärts. Die Russen haben sind aus der Gegend hinausgeschmissen. Wilhelm 7.) Liebe Eltern ! Mir geht es gut, stehen stärckerem Feind gegenüber, der sich langsam zurückzieht und im Vorgehen auf grosser ...... Neu S. haben eben Verstärkungen erhalten. Bitte keine Wäsche und Wintersachen mehr, habe genug. Cigaretten und Fressalien wie gesagt immer sehr, sehr willkommen. Filzstiefel und Kautschukhalina sind herrlich, nicht zu bezahlen. Hier jetzt Tauwetter wie im Frühling. Nächte sehr kalt. Es umarmt Euch Wilhelm |
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Auszüge aus Briefen des Rittmeisters Baron Boyneburg an seine Frau, die Wilhelm betreffen. |
| 18. Oktober 1914 Denke Dir, gestern ist Wilhelm mit einem Transport vom D. 5 zu uns gekommen und bleibt bei uns. Er hätte leicht aus Wien Briefe bringen können, doch war niemand von Euch am Matzleinsdorfer Bahnhof, macht aber nichts, werde schon Post bekommen. Was sagst Du dazu, daß Wilhelm bei uns ist, er hat heute bei mir geschlafen, da er bei Nacht erst kam. Er befindet sich sehr wohl und erzählt viel Neues. 21. Oktober Wilhelm, der wie Du aus anderen Briefen weisst, bei uns ist, befindet sich sehr wohl. Wilhelm erzählte mir, daß ich in Wien schon tod gesagt war , Gott sei Dank ist es nicht der Fall wie Du weisst. Wilhelm habe ich gerade gesprochen, er lässt alle sehr grüssen, ich bitte auch.. 1.Nov. 14 Wilhelm hat seine Feuertaufe erhalten. Ein Schrapnell hat ihm die Mütze weggerissen, ohne ihn zu verwunden. Er hat sich sehr tapfer benommen und den Zünder ausgegraben, um eine Gürtelschnalle daraus zu machen. Er ist bei der Escadron Wagner, wo es ihm famos geht. Wagner ist überhaupt ein sehr lieber Kerl, einer von denen, die man im Krieg schätzen lernt. 2. Nov. Wir haben jetzt ganz gute Erfolge. Wir waren nicht im unmittelbaren Gefecht, aber in der Nähe wurde geschossen, so daß Wilhelm seine Feuertaufe erhielt. Ein Schrapnell riss ihm die Mütze vom Kopf ohne ihn zu verwunden. Wir waren in guten Schanzen, in denen wir uns gemütlich einrichten konnten, so wie in einer Uhuhütte. 3. Nov. Wir haben jetzt wieder einen Rückzug aus strategischen Gründen. Heute waren wir fast in Drakkiez, etwas nördlich davon. Morgen gehen wir nach Sarok. 14.Nov. Von unserem siegreichen Vordringen in den Karpaten wurden wir zur Deckung des Rückzuges nach Norden bis an die Bahn Rzesow, Premysl vorgenommen. Dann ging es über Jaslo fort am Feind bis her, Dabrowa bei N. Saadek (?) 14. Nov. Grosse Gefechte hatten wir keine, nur unsere Nachrichten Detachements hatten mehrmals scharfe, kurze Gefechte, bei welchen sich unter anderen Wilhelm ganz hervorragend schneidig und tapfer erwies, wird auch eingegeben zu einer Decoration. Die Feldflasche ist ihm weggeschossen worden. 26. Nov. Heute ist wieder Wilhelm auf Patrouille geritten, er ist schon ein Mordskerl und bekommt sicher eine Auszeichnung. Er geht mit Passion auf Patrouille. Er hat lauter freiwillig sich Meldende mit. Eine Meldung die gerade durchgelaufen ist, sagt, daß er auf Feind gestossen ist und die Absicht hat, ihn zu vertreiben. Gott schütze ihn, hoffentlich leistet er wieder ein 15 Stückel. 28. Nov. Wir sind (unser Rgmt.) gestern abends aus der 1ten Stellung genommen worden und hier in Reserve gestellt worden. Es war nur Patrouillenkrieg und unsere braven Leute haben sich sehr ausgezeichnet, es wurden wieder 20 Tapferkeitsmedaillen vertheilt, so daß schon 50 im Regiment sind. Von den jüngeren Offizieren haben sich ganz besonders Hoffman, Wilhelm und Trautmansdorff ausgezeichnet. Wilhelm ist noch nicht zurück, er muß bis Mittag noch draussen bleiben. Er ist ein ganzer Kerl, hat gestern einen Überfall gemacht und Menge Russen erschossen. In der Nacht will er durchbrechen und in den Rücken der Russen kommen. Er hat die 15 besten Dragoner des Regimentes mit. 6. Dezember Kadresendung in Loblaa (?) angekommen. 7h früh Vormarsch gegen N. Sandek. 8. Dezember Wilhelm hat sich wieder sehr gut gehalten. Ein Zahn wurde ihm weggeschossen. Leider hat er wieder seit der Zeit starcke Kopfweh und ist zurückgeblieben, um sich zu erholen. 13. Dezember Gott sei Dank sind wir gesund und unverwundet. Die letzten Kämpfe haben den Gegner zurückgeworfen und wir sind heute in N. Sandez eingetroffen, um morgen den Feind heftig zu verfolgen. So Gott will, gelingt es und kommt endlich eine Entscheidung. 18./12. 14 Leider kann ich heute unter "Wir sind gesund und unverwundet" den armen Wilhelm nicht mehr rechnen. Er ist am 15ten bei einem sehr verlustreichen Gefecht der Escadron Wagner von einem Schrapnell im Rücken verwundet worden und war sogleich tot. Ferdinand Trautmansdorff blieb bei der Leiche zurück und barg ihn mit Hilfe zweier tapferer Dragoner im stärcksten Artilleriefeuer in einem Bahnwächterhaus. Er mußte aber die Leiche verlassen, da die Russen das Bahnwächterhaus fort unter Feuer nahmen und er selbst nur mit Mühe sich retten konnte. An dem Tag konnte er nicht mehr zurückgebracht werden. Am nächsten Tag versuchte es Wagner selbst und da die Russen schon zurückgeworfen waren, konnte er die Leiche bergen und in Stokowa in einem Park begraben. Bitte sage Onkel Paul und Tante Flora mein innigstes Beileid, mir thut es selbst sehr weh, daß ich den lieben Kerl nicht mehr sehen kann. Er war so schneidig und tüchtig, daß er dem Regiment wirklich eine Ehre war, ihn als Offizier zu haben. Oberst Brosch wird Onkel Paul noch diesbezüglich schreiben. Mein Gott, es ist schon ein Jammer wenn man darüber nachdenkt und es wird trotz unseres siegreichen Vorgehens der Jammer nicht kleiner. Der Tote hat es ja überstanden, aber die armen Zurückbleibenden, was haben die ? Leider war die Leiche schon ganz geplündert, das eigene Pferd von Wilhelm übernimmt Trauttmansdorff bis Onkel Paul darüber verfügt, die Koffer und anderen Sachen werden vom Regiment auch an Onkel Paul zurückgeschickt. Anmerkung der Frau Baron Boyenburgs: " Diesen Brief vom Egon bekam ich am 24. in der Früh."
Brief Rittmeister Baron Egon Boyenburg Regiments Adjutant des 15. Drag. Rgts. an Wilhelms Vater, den er am 24.12. 1h früh erhalten hat.
18./12. 14 Lieber Onkel Paul ! Leider muß ich Dir die furchtbare traurige Mittheilung vom Tode des lieben Wilhelm machen. Gerade so wie Dir jedermann sein wärmstes Mitgefühl sagen wird, lasse es mir sagen und unser Regiment. Trotz unseres siegreichen Vorgehens will keine fröhliche Stimmung über uns kommen, weil wir den lieben, schneidigen Wilhelm nicht verschmerzen können. Es ist ein furchtbar trauriger Stolz, der uns erfüllt und uns zu neuen Taten anspornt. Der armen Tante Flora und Irma sage mein innigstes Beileid, ich bin ausser Stande, ihnen zu schreiben. Rittmeister Wagner hat nachdem Leutnant Graf Trauttmansdorff die Leiche in furchtbarsten Artilleriefeuer in einem Bahnwächterhaus geborgen hatte, dieselbe tags darauf holen lassen und in Stokowa bei Gryboro am Ortsfriedhof beerdigen lassen. Er hat dem Pfarrer und Kirchendiener Geld hinterlassen, damit ein ordentliches Kreutz mit Aufschrift gemacht wird. Leider war die Leiche des armen Wilhelm in der Nacht von den Russen total geplündert worden, so daß gar kein Andencken an Euch geschickt werden kann. Seine Koffer können auch erst bei Gelegenheit zurückgeschickt werden. Seine tödliche Verletzung erhielt er, als er im Artilleriefeuer mit einer Meldung zur Infanterie reiten wollte. Eine Füllkugel in`s Rückgrat. Er fiel sogleich tod vom Pferde. Sein Pferd hat Leutnant Trauttmansdorff übernommen bis Du etwas darüber verfügst. Leider war ich weit weg vom Schauplatz dieses Gefechtes und konnte gar nichts für den armen Wilhelm thun. Die erste Nachricht am 16., die mein Dragoner brachte, war noch unbestimmt. Er sah Wilhelm fallen, wusste aber nicht, ob er tot sei. Erst Trauttmansdorff brachte die sichere Nachricht und gestern Nachts Wagner. In diesem Gefecht einer Eskadron mit einem Maschinengewehr gegen 1 2 Batillons Russen mit 4 6 Maschinengewehren und 4 Geschützen verlor die Eskadron 15 Mann nachdem sie 2 Stunden kämpfte und alle Patronen verschossen hatte. Die eigene Infantrie kam leider zu spät. Erst nächsten Tag wurde der Gegner geworfen und 500 Mann gefangen. Wir haben mehrere Russen gefangen, die alle aussagen, daß die Anderen zu Weihnachten meutern, wenn der Krieg nicht aus ist. Kleine Patrouillen von 1 Offizier und 5-6 Reiter machen 60 70 Gefangene, oft wird ihnen .................mitgegeben, da sonst die Patrouillen keine Meldereiter hätten, man sagt ihnen nur, wo die nächste Fahrküche ist. Gott gebe uns für die grossen Opfer einen für uns günstigen Ausgang. Ich muß in Eile schließen. Gott stärcke Euch alle. Dein ganz ergebener Egon |
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Brief vom General Otto Berndt Comandant der 4ten Cavallerie Truppen Division den gleichzeitig mit oberem Brief Wilhelms Eltern am 24./12 14 früh erhielten. |
| 14./12. 14 Verehrter Freund ! Gestern Deinen l. Brief erhalten. Werde Deinen Wunsch bei nächster sich bietender Gelegenheit zu erfüllen trachten und Wilhelm als Ordonnazoffizier bei mir oder Brigarde eintheilen. Du erwähnst in Deinem Brief ein früheres Schreiben an mich, das ich aber nicht erhalten habe. Es dürfte wahrscheinlich in dem Postpacket gewesen sein, das unlängst beim Transport zur 4 K.T.D. verloren gegangen ist. Erwähnen will ich noch, daß Wilhelm nicht etwa von mir hier zurückgehalten wurde, sondern auf seine eigene Bitte hierblieb. Er ist ein ganz prächtiger Offizier voll Unternehmungslust und Schneid., ein echter Wurmbrand. Habe ihn auch schon zur Decoration eingeben. Herzlichst grüssend Dein aufrichtig ergebener Berndt GM |
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Necrolog " Neuen freien Presse" |
| (Graf Wilhelm Wurmbrand-Stuppach vor dem Feind gefallen) Ein Mitglied der Geberalität schreibt uns. " Allgemein hört man das Lob unserer Offiziere, Fähnriche und Kadeten der Reserve sie leisten hervorragende Dienste und zeichnen sich durch Pflichtgefühl ebenso als durch Opferfreudigkeit und Heldenmuth aus. Die Fälle in welchen Offiziere und Kadeten der Reserve diese Eigenschaften an den Tag legten, sind so zahlreich, daß über einzelne nur wenig erzählt werden konnte. Der nachstehnende typische Fall soll hiermit zur Kenntnis Öffentlichkeit gebracht werden. Leitnant in der Reserve Wilhelm Graf Wurmbrand ist am 14.d. auf dem nördlichen Kriegsschauplatz gefallen. Bei einem Dragoner Regiment eingetheilt und superarbitrirt, litt es ihn nicht, bis er wieder diensttauglich erkannt wurde. Die Dienstverwendung im Hinterlande war nicht nach seinem Geschmack und es duldete ihn nicht, bis er schließlich durchsezte, mit einem Transport für ein anderes Regiment auf den Kriegsschauplatz abzugehen. Treu der Tradition seiner Familie hatte er nun die Bitte, bei dem fremden Regiment in Verwendung zu bleiben, welche Bitte auch willfahrt wurde. Sein Divisionär schrieb über ihn : " Er ist ein ganz prächtiger Offizier voll Unternehmungslust und Schneid, ein echter Wurmbrand !" Natürlich musste diese Äusserung eines so maßgebenden Komandanten den Vater des Gefallenen , Generalmajor Paul Grafen Wurmbrand Stuppach mit grosser Genugthuung erfüllen. Nun ist dieser junge, schneidige Offizier, verheiratet und Vater zwei Kinder im zartesten Alter, den Heldentod für´s Vaterland gestorben als die vorauseilende Kavallerie mit dem Feinde zusammenstieß. Eine Schrapnellkugel hat seinem Leben ein Ende gemacht. Seine Leiche konnte im feindlichen Feuer noch durch Kameraden geborgen und am 15. D. beerdigt werden. Generalmajor Graf Wurmbrand hat noch einen Sohn, der seit Beginn des Krieges unausgesetzt in ertser Linie steht. |
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Das Grazer Tagblatt schreibt |
| (Graf Wilhelm Wurmbrand-Stuppach - vor dem Feind gefallen) : Am 14.d.M.
ist auf dem nördlichen Kriegsschauplatz Leutnant in der Reserve Wilhelm Graf Wurmbrand
Stuppach gefallen. Graf Wurmbrand, ein Neffe des ehemaligen Divisionärs in Zagreb Grafen
Hugo Wurmbrand war auch den Zagrebern vom letzten Tontaubenschiessen her bekannt. Beim
5ten Dragoner Regiment eingetheilt und superabitrirt, litt es ihn nicht, bis er wieder als
diensttauglich erkannt wurde. Die Dienstverwendung im Hinterlande war nicht nach seinem
Geschmack und es dudete ihn nicht, bis er es schließlich durchsetzte, mit einem Transport
für ein anderes Regiment auf den Kriegsschauplatz nach dem Norden abzugehen. Treu der Tradition seiner Familie stellte er nun die Bitte, bei dem fremden Regiment in Verwendung zu bleiben, welcher Bitte auch willfahrt wurde. Sein Divisionär schrieb über ihn: " Er ist ein ganz prächtiger Offizier, voll Unternehmungslust und Schneid, ein echter Wurmbrand." Natürlich musste diese Äusserung eines so maßgebenden Kommandanten den Vater des Gefallenen, Generalmajor Paul Graf Wurmbrand, mit grosser Genugthuung erfüllen. Nun ist dieser junge, schneidige Offizier, verheiratet und Vater zweier Kinder im zartesten Alter, den Heldentod für´s Vaterland gestorben, als die vorausgeeilte Kavalelerie mit dem Feind zusammenstieß. Eine Schrapnellkugel hat seinem Leben ein Ende gemacht. Seine Leiche konnte in feindlichen Feuer noch durch Kameraden geborgen und am 15. D.M. beerdigt werden. Generalmajor Graf Wurmbrand hat noch einen Sohn, der seit Beginn des Krieges unausgesetzt in erster Linie steht. |
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Das Wiener Salonblatt schreibt in der Ausgabe vom 20. März 1915 |
| Wie wir in unserer Neujahrsnummer meldeten, fand der österr.-ung. Lt. I. der Res. Des DragRgts Nr. 5. Wilhelm Graf v. Wurmbrand-Stuppach, welcher, obwohl superarbitriert, auf eigenen Wunsch in der Front mitgekämpft, am 14. Dezember auf dem nördlichen Kriegsschauplatze den Heldentod. Der in der Wiener Gesellschaft sehr beliebte junge Kavalier war der am 29. Aug. 1884 geborene ältere Sohn des KM. und GM. a. D. Grafen Paul und der Gräfin Flora v. Wurmbrand geb. v. Pongraz, und verheiratete sich am 10. Feb. 1908 zu Wien mit seiner Cousine Irma v. Pongraz, welcher Ehe zwei Töchter im Alter von sechs und bald vier Jahren, die Komtessen Marie und Flora, enstammen. Der jüngere Bruder des tapferen jungen Reiteroffiziers, Graf Paul, dient als Lt. Der Res. Des 14. Dragoner-Regimentes. Heute veröffentlichen wir auf S. 10 das Porträt des für Kaiser und Vaterland gefallenen Grafen und eine Aufnahme, die ihn mit Mannschaften seiner Abteilung auf dem Kriegsschauplatze zeigt. |
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Brief des Obersten Alfred Brosch Edler von Fohraheim, Comandanten des 15. Drag. Rgmts. An Wilhelms Vater. |
| 18. Dezember 1914 Hochgeborener, hochverehrter Herr General ! Da sind die Richtigen dabei ! So bezeichnete Divisionär G.M. Berndt die 3 Offiziere, welche bei der unternehmungslustigen Eskadron Wagner meines Regimentes eingetheilt am 14.d.M. mit einer Specialaufgabe (Unternehmung gegen feindliche Trains) gegen Grocanik zum Bialathal entsendet worden waren. Das Detachement ( ein Maschinengewehr war beigegeben) kam früher als es durch den Vormarsch der Nachbarsgruppe zu gewärtigen war u.z. schon am 15. Dezember früh an den Feind, brachte ihm erhebliche Verluste ein und machte Gefangene, wurde aber schliesslich vom heftigen Infanterie Maschinengewehr- und Artilleriefeuer gezwungen zurückzugehen. Sowie bei vielen anderen Anlässen, hatte sich auch bei diesem für uns schliesslich sehr verlustreichen Ringen Dein Sohn Willi als der tapfersten Einer erwiesen. Das Detachement war schon im Rückzug begriffen als das Artilleriefeuer noch seine Opfer forderte. Lieber Herr General ! Wappne Dich mit der vollen Stärke zur Entgegennahme meiner erschütternden Nachricht. Wir haben einen Theil vom besten verloren ! Dein guter, so heldenmüthig tapferer Sohn Willi, unser herzlich verehrter Kamerad, er wurde uns entrissen. Neben Rittmeister Wagner reitend, musste er durch einen Schrappnelschuss für Kaiser und Reich sein Heldendasein beschliessen. Lieber Herr General! Indem ich die schreckliche Aufgabe auf mich nehme, als ältester Kamerad Willis Dir die erschütternde Nachricht von dem Heldentode Deines guten Kindes eröffnen zu müssen, bitte ich Dich -- das gleiche Schicksal theilend seit mein Ältester am 16. September nächst Debica den Tod vor dem Feinde gefunden, diese unsagbar erschütternde Schicksalsfügung mit jener Hingebung in des höchsten Herrn Willen entgegen zu nehmen, der gewaltigsten Grösse es bedarf des, selbst zum Helden verewigten Kindes gewachsen zu sein. Gott stärke Dich hiefür verehrtester Herr General und verleihe den Deinen die Kraft, welche das Bewußtsein solcher Opfer bedarf. Willi war in den zwei Monaten seines Verweilens hier im Regimente wahrlich der Liebling aller geworden, dabei das Muster an Schneid und Aufopferungsfähigkeit ! Nun wurde er gestern durch Rittmeister Wagner in Bobowa bei Grybow am Ortsfriedhof beerdigt. Der innigsten Anteilnahme des ganzen Regiments der 15. Dragoner bittet herzlichst versichert zu sein Dein tief erschütterter Alfred von Brosch Oberst |
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Brief des Majors Gustav Hayd von Haydegg Nachfolger des Majors Altgraf Robert Salm als Comandant der Ersatz Eskadron des 5ten Dragoner Regimentes in Marburg an Wilhelms Vater |
| Marburg am 28. Dezember 1914 Hochverehrter Herr General ! In sofortiger Beantwortung Deines Briefes, der mich tief ergriffen hat, folgendes: Dragoner Alois Gödel unseres Regimentes vom Dragoner Regiment 15 hieher eingerückt, war bis zum letzten Monente um Deinen Sohn. Er erzählt folgenden Hergang: Die Esk. des D.R. 15 (Rittmeister Wagner) hatte den Auftrag erhalten, eine russische Trainkolonne zu überfallen. Zu diesem Zwecke trachteten sie, der Trainkolonne den Weg abzuschneiden und nächtigte vom 14. auf den 15./12. in einer Ortschaft, welche die Kolonne am nächsten Morgen passieren musste. Dieser Ortschaft näherten sich schon am Abend schwächere russische Infantrie und Artilleriekräfte, die sich bis zum Morgen beträchtlich verstärkten. Trotz heftigsten Wiederstandes, den die Eskadron Wagner leistete, war ein Verbleiben in der Ortschaft in Anbetracht der immer stärker werdenden feindlichen Übermacht und des ausserordentlichen heftigen Artilleriefeuers nicht möglich. Es mußte der Rückzug angetreten werden, u.z. in der Richtung aus der Tags vorher die Eskadron Wagner gekommen war. Das Verlassen der Ortschaft und das Gewinnen der nächsten Trainstelle geschah zwar in sehr kleinen, schütteren Patrouillen, doch unter so fürchterlicher Schrappnelwirkung, daß sich große Verluste ergaben. Auch Wilhelm fand dort von Schrappnelkugeln an der rechten Schulter schwer getroffen den Heldentod. Vom Momente an, als ihn die feindlichen Geschosse trafen, galopierte er noch einige hundert Schritte weiter und sank dann vom Pferde. Dragoner Gödel, aus dessen Munde ich diesen Bericht schöpfe, und ein zweiter Dragoner sprangen ab und bemühten sich um ihren so verehrten Zugscomandanten; leider lag derselbe schon in den letzten Zügen und verschied eines sanften schmerzlosen Soldatentodes. Die letzten Worte, die er sprach, versinnbildlichen noch seine menschenfreundliche noble und ritterliche Denkungsart. Er sprach nämlich zu den sich um ihn bemühenden Dragonern: "Rettet Euch." Dann war er nicht mehr. Die beiden Dragoner setzten auf das hin unter mörderischen unausgesetzten Artilleriefeuer den Rückzug fort und trafen auf ihre Abtheilung. Als unsererseits Verstärkungen eintrafen und der Feind neuerdings zum Rückzug gezwungen war, war es die erste Aufgabe der braven Dragoner, sich nach der Leiche ihres Zugscomandanten umzusehen. Sie fanden Wilhelm in einem Bahnwächterhäuschen in unmittelbarster Nähe des Ortes, wo er gefallen war. Dein Sohn wurde gewaschen, seine Kleider gereinigt und in die Kirche des naheliegenden Ortes gebracht. Dort aufgebahrt und hernach in einem Sarge beerdigt. Ob der Ort, wo Wilhelm ruht, Garlice oder Pokoniewice heisst konnte ich mit Gewissheit nicht herausbringen. Dragoner Gödel, der Ordonnanz Deines Sohnes befindet sich momentan hier, als vom Kriegsschauplatz kommend in Cholera Kontumaz. Sobald er aus dieser entlassen wird, werde ich ihn Dir selbstredend gleich senden. Ob Dragoner Prelosnik auch bei Wilhelms Tode anwesend war, werde ich auch erst nach der Entlassung Gödels aus der Kontumaz erfahren und Dir dann sofort hierüber berichten. In tiefsten Mitfühlen Dein stets treu und aufrichtigst ergebenster Haydegg |
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Zweiter Brief des Generalmajor Otto Berndt Comandant der 4ten C.T.D. An Wilhelms Vater |
| 30.12. 14 Verehrter Freund ! Ich erhielt heute Deinen l. Brief l. vom 26.. Das Unglück ist Dir also schon bekannt. Ich hätte Dir und der Gräfin die traurige Kunde gerne wenigstens über Weihnachten erspart, wohl auch kaum den Muth gefunden, sie Dir mitzutheilen. Es war wirklich ein Verhängnis ! Als Wilhelm in Rokietrica mit dem Transport eintraf, sagte ich ihm, daß er selbstverständlich wieder zum Cadre nach Marburg zurückreiten müsse.; doch bat er so dringend bleiben zu dürfen, daß ich schliesslich gerne zustimmte, froh, einen so ambitionierten Offizier mehr in meiner Division zu haben. In der Folge hat er alle Erwartungen übertroffen, war mit Feuereifer zu jeder Unternehmung bereit, hat wiederholt auf Patrouillenritten die kühnsten Stückeln aufgeführt; ich möchte fast sagen, er ist mit Leidenschaft auf die Pürsch auf Russen gegangen und hat immer eine Anzahl erlegt. Nun hat ihn selbst das traurige Schicksal der Soldaten ereilt. Eine Schrappnelkugel traf ihn tödlich. Als ich Dir letzthin schrieb (ich glaube am 14ten war`s) war Wilhelm in der Esk. Wagner schon unterwegs und am folgenden Tage wars schon um ihn geschehen. Ich kann Dir nicht sagen, wie sehr mir diese Nachricht ins Herz griff. Nun seh ichs klar, die Sorge der Eltern hatte das Kommende geahnt. Man wird hart in diesen harten Zeiten, doch manchmal packt einen mächtig das grosse Leid, das man täglich um sich wachsen sieht ! Nimm Du und die schwergeprüfte Mutter meine herzinnigen aufrichtigste Theilnahme. Gott tröste Euch Menschen können das wohl nicht. In tiefen Mitgefühl Dein getreuer Berndt G.M. |
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Brief Rittmeister Wagner Eskadrons Commandant von Wilhelm an dessen Vater. |
| 1./1. 1915 Hochverehrter Herr General ! Für den mich tief beschämenden Dankesbrief meinen gehorsamsten Danck. Es war ja selbstverständlich, daß ich dem armen Wilhelm diesen letzten Liebesdienst erwies und dass es meinen Leuten auch noch möglich war, am Grabe ihres gefallenen Offiziers ein stilles Gebet zu verrichten. Hab mich für alle gefreut, denn es war jedem einzelnen von uns Herzensbedürfnis, da Wilhelm vom ersten Tage an wo er unter uns war , bei Kamerdaden und Untergebenen beliebt war wie selten einer. Mich hat sein Tod tief betroffen, denn ich hatte ihn durch unser stetes Zusammenleben nicht nur als ausgezeichneten, tapferen erstklassigen Offizier, sondern auch als Menschen achten, schätzen und lieben gelernt. Er fehlt mir bei jeder Gelegenheit. Trauttmansdorff und ich, die wir am meisten um ihn waren, dencken noch fort und fort an ihn und die Zeit, wo wir noch alle lustig beisammen waren. Wegen der Geldangelegenheiten werde ich mit Egon alles ordnen. Ich konnte leider nicht mehr thun, da in Bokowa nichts aufzutreiben war, als ein einfacher Sarg und ein Holzkreutz mit Inschrift, sowie dem Pfarre einen Betrag für die Kirche zu geben, damit er sich um das Grab etwas kümmert. Verzeihe bitte H. General das elende Papier und Schrift und nehmen H. General nochmals meinen besten Danck für den rührenden Brief sowie nochmals den Ausdruck meines tiefsten Mitgefühls an dem Verluste des armen Wilhelm entgegen von Herrn General gehorsamst ergebenen Wagner Rittmeister |
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Brief des Leutnant Graf Ferdinand Trauttmansdorff des 15. Drag. Rgmts. an Wilhelms Vater |
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1./1. 15 Hochverehrter Herr General ! Vor allem mein tiefgefühltestes Beileid zu dem so schweren Verluste des auch uns so lieben Wilhelm. Ich dancke vielmals für die mich überaus ehrenden Worte und das Pferd Wilhelms, welches ich herzlich gerne behalten werde und welches mich immer an den guten Wilhelm erinnern wird. Es ist keine falsche Bescheidenheit, wenn ich sage, daß an meiner Stelle ein jeder oesterreichische Soldat so gehandelt hätte. Beweis dessen, daß die zwei Dragoner, welche mir halfen, die Leiche Wilhelms zu bergen, diess ohne weitere Aufforderung taten. Es ist ein wahres Glück, daß es uns noch gelungen ist, den guten Wilhelm in Bobowa ein christliches Begräbnis zu geben. Ich weiß es wohl zu schätzen das Gefühl der Sicherheit, seine Verwandten welche den Heldentod fielen, begraben zu wissen, denn auch mein Stiefvater und Onkel, welcher als Rittmeister im selben Regimente diente wie ich, fiel bei einer Attaque. Ich erfuhr erst 4 Tage nachher von seinem Heldentod und gleichzeitig auch, dass er begraben wurde. Über die äußeren Umstände von Wilhelms Tod schrieb ich Frl. May Lippit im Auftrage ihrer Cousine der Gfn. Irma Wurmbrand. Vor allem zeugt von der Begeisterung Wilhelms sein Entschluss, nicht vom Regiment wegzugehen, um sich operieren zu lassen. Er hatte auch die Tage vor seinem Tode die fürchterlichsten Kopfschmerzen, sodaß ihn unser Eskadrons Comandant verbot, am Gefechte teilzunehmen. Heute ist auch Baronin Boyenburg hier, die mündlich alles viel besser wird erzählen können. Sobald einmal Friede sein wird und ich zurückkomme oder wenn ich als Kranker oder Verwunderter in Wien sein werde, werde ich mir erlauben, Dich aufzusuchen. Nochmals herzlichsten Dank für den Brief und das Pferd. Dein ganz ergebener Ferdinand Trauttmansdorff
Brief des Leutnant Graf Ferdinand Trauttmannsdorff An Frl. Mari von Lippit. 9./1. 15 Verehrtes Fräulein ! Habe Ihren Brief gestern erhalten und bin natürlich gern bereit, über den Tod und die letzten Tage des armen Wilhelm zu schreiben. In der Zeit vom 8. 11. Dezember war Wilhelm in Alt Lublan. Da er starcke Kopfschmerzen hatte, hatte er damals die Absicht, sich dort operiren zu lassen. Ich traf ihn dort; er hatte gerade eine größere Sendung von zu Hause bekommen, darunter auch sein Pferd. Einige Tage später, am 12., kam er jedoch ganz unvermutet wieder zurück zum Regiment, sagte , es ginge ihm viel besser, er will sich erst gar nicht operiren lassen. Dann machte er auch noch den Einmarsch nach N. Sandac mit. Zwei Tage darauf erhielt die Eskadron bei der er und ich dienten, den Auftrag, einen feindlichen Train zu zerstören. Wir freuten uns alle darüber sehr, besonders Wilhelm war ganz Feuer und Flamme für diesen Auftrag, freute sich auch sehr über eine Äusserung des Divisionärs, der dem Eskadron Kommandanten sagte; Wilhelm wäre der richtige Offizier für einen solchen Auftrag.. In der Nacht bevor er den Heldentod fand, nächtigten wir alle zusammen in einem Maierhof, wo der Arme wieder seinen Kopfschmertz bekam, diesmal auch ziemlich stark. Den nächsten Tag hatten wir dann das Gefecht, in dem die brave Eskadron gegen zwei Bataillons und Artillerie von 7h früh bis ½ 10h Vormittag kämpfte. Schliesslich mußten wir der Übermacht weichen. Ich sehe noch Wilhelm auf seinem Pferd hinter einer Waldspitze verschwinden; dort muß ihn ein Schrappnel getroffen haben, denn 5 Minuten später kam ich dorthin (ich war zu Fuß, kam daher erst später) und sah ihn auf der Straße schon tod liegen. Mit 2 Dragonern trug ich ihn dann in ein Bahnwächterhaus auf Stroh. Den Tag darauf ließ ihn dann unser Eskadron Comandant abholen und er wurde am 17. Dezember in Bobowa (circa 20 km nordöstlich N. Sandec) am Ortsfriedhof im Beisein der Eskadron, welche ihn alle, jeder Dragoner und alle Offiziere ungeheuer gern hatten, begraben. Er war schon früher für einige sehr schneidigen Patrouillenritte, bei denen er wirklich Hervorragendes geleistet hatte, für eine kaiserliche Auszeichnung eingegeben worden. Alois Kinini war bei der ganzen Affaire auch dabei, auch beim Begräbnis in Bokowa. Kann auch über alles Aufschluss geben, da er auch mit bei derselben Eskadron diente, wird er sich erlauben nach dem Kriege einiges zu erzählen, indem er Sie, verehrtes Fräulein, bestens grüssen läßt. Wir werden den guten Wilhelm alle stets ein gutes Andencken bewahren. Er war uns stets der beste Kamerad, den man sich vorstellen kann, theilte den letzten Bissen Brot mit seinen Dragonern, die colossal an ihm hingen. Seine Sachen haben wir an den Cadre nach Wr. Neustadt geschickt. Ergebensten Gruß Ferdinand Trauttmansdorff |
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Brief des Rittmeisters Graf Resseguier des 15. Dg. Rgmt. an Wilhelms Vater. |
| Kolowo am 20./1. 15 Sehr verehrter Herr General ! Obwohl es lange Zeit her ist, daß ich als junger Leutnant mich Dir einmal vorstellte, drängt es mich doch, Dir ein paar Zeilen zu schreiben, um Dich zu vergewissern, wie innigen Antheil wir an Deinem so schweren Verlust genommen haben. Ich war circa 10 Tage bevor Deinen Sohn die Kugel traf mit ihm zusammen in einem Zimmer in ..ablau. Die Regimenter standen bei Rybow, um den Pass zu decken und ich hatte mit Gelbsucht mir 10 Tage hinter der Front ausgebeten. Dein Sohn war damals nach anstrengenden Tagen von Mizina, wo er unausgesetzt auf Patrouille war und trotz starker Nervenschmerzen im Gesichte, starck hergenommen, wurde vom Obersten zu mir geschickt. Der Regimentsarzt vom 11. U.R., der bei mir war, untersuchte ihn und riet ihm, sich vom Dr. Biel im Hauptquatier Teschen den Nervum osseratio (?) durchschneiden zu lassen. Dein Sohn war bereit dazu und wollte schon um Urlaub nach Teschen ansuchen, wozu ich ihm dringend riet. Er verschob aber den Entschluß immer wieder und wie es ihm besser gieng, wollte er nichts mehr davon wissen. Ich riet ihm, wenigstens noch bei mir zu bleiben, er meinte aber solange das Regiment ruhig in Rybow lag, sei es gegangen, aber jetzt schiessen sie wieder vorn, da fühle ich nicht mehr das Recht zu haben, hier zu bleiben, wo es mir doch wieder gut geht. Und so konnte ich ihn , der noch im Bette lag, nicht hindern, seinen soldatischen Entschluß aufzugeben. Ich erinnere mich auch lebhaft an seine gute Kameradschaftlichkeit. Er hatte ein Paket von der Gräfin Mutter mit Esswaren bekommen und das erste war, daß er mir ein ganzes großes Bischofsbrot aufs Nachtkastel stellte mit den Worten " Du brauchst es notwendiger wie ich". Er wollte trotz meinem Wiederspruch nicht das kleinste Stück davon nehmen; dann las er neben mir am Fenster den beigelegten Brief der Gräfin und sagte zum Schluß zu mir: "Schau ! So eine liebes gutes Mutterl !" Willst Du das der verehrten Gräfin sagen, es wird sie sicher freuen in ihrem grossen Kummer. Nun ihn das rauhe Los des Soldaten getroffen hat, dencke ich an die Worte des Heilands "es würde all denen gut ergehen, die Vater und Mutter ehren." Und so hat ihn der Hergott gewiß in seiner Todesstunde geholfen, zu sich genommen für ein frohes Wiedersehen mit seinem lieben guten Mutterl! Wie er ihm in diesem geholfen hat, ein oesterreichischer Soldat zu sein ohne Furcht und Flecken, so wird gewiß auch Dein Trost später einmal sein, daß er für Kaiser und Reich gelebt hat und gefallen ist. Wir stehen ja in grossen Zeiten und kämpfen nicht nur für Kaiser und Reich, sondern auch für Gottes Gesetze hier auf Erden. Wir müßen uns täglich selbst auffordern, selbst groß zu sein in diesen grossen Zeiten, groß im Entsagen, Ertragen und Entbehren, Kämpfen und Sterben. Dein Sohn hat die Probe seines Lebens glänzend bestanden und so wird er uns immer ein Muster und Beispiel sein und das 15. Dragoner Regiment wird ihn gewiß nie vergessen. Inzwischen sei herzlichst unserer innigsten Antheilnahme versichert verehrter Herr General und willst Du bitte auch der Gräfin Mutter und seiner Frau von mir meinen Handkuß vermelden. Dein ergebener Resseguier Rittmeister |
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Brief des Majors Franz Neusser des 15ten Drag. Rgmts. an Wilhelms Witwe. |
| Hochverehrte Gräfin ! Meinem Versprechen gemäß, berichte ich über Begebenheiten, soweit sie den Aufzeichnungen der Vorgesetzten und Kameraden Ihres Mannes zu entnehmen sind. Der Einfachheit wegen will ich im Nachstehenden Ihren Gemahl mit dem Rufnamen nennen. Er wurde allgemein Willi genannt. Wie ich schon in Wien Gelegenheit hatte auszuführen, meldete sich Willi zu allen Unternehmungen, die eine größere Gefahr in sich bargen, freiwillig. Sein tapferes, sehr mannhaftes Verhalten erregte überall Bewunderung und Anerkennung. Seine Auszeichnung langt leider zu spät ein. Ich beginne mit der Thätigkeit Willis als Kommandant einer Nachrichtenpatrouille unter sehr schwierigen Verhältnissen. Am 9./11. 14 wurde Willi als Kommandant einer Nachrichtenpatrouille vom Nachrichten Detachement Wagner von Czedec über Niekiehce gegen Fristak (?) entsendet mit dem Auftrag an den Feind zu reiten und seine Stärcke sowie seine Zusammensetzung und seine Bewegungen zu erforschen. Willis Meldungen waren vorzüglich und vermochte er nach vollkommener Lösung seiner Aufgabe wieder Anschluß an sein Eskadron zu gewinnen und seine letzte Meldung selbst zu überbringen. Da er in harter, engster Fühlung mit dem Feinde, verwährte der feindlichen Vorhut dieses zurückgehen. Rasch entschlossen brach er durch die feindlichen Vorhuteskadron durch und wurde ihm bei dieser gefahrvollen Unternehmen, das grosse Kühnheit und Geschicklichkeit erheischte, die Feldflasche weggeschossen. Abends kehrte Willi heil zu seiner Eskadron zurück, überbrachte die letzte Meldung über seine Beobachtungen, welche den Kern des Berichtes des Detachement Wagner bilden. Am 13./11. 14 wurde Willi vom Regiments Commando als Kommandant einer Nachrichten Patrouille entsendet und war dießmal die feindliche Gegenwirkung eine geringere. Seine Beobachtungen und Meldungen waren mustergiltig und bauten sich alle Maßnahmen des Divisionärs auf seine Meldungen auf. Am 26./11 14 wurde Willi durch den Divisionär GM Berndt auf eine Patrouille befohlen eine Patrouille des 13. Ul. Rgmt. abzulösen. Der Weg war zu nehmen über W.H. Huta nach Grybow. Willi gelangte bei W.H. Huta an, woselbst sich bereits der Feind befand. Willi kämpfte dort gegen einen an Anzahl weit überlegenen Feind durch 3 Tage hindurch. Seine Patrouille zählte 12 14 Reiter. Der Feind war eine ganze Eskadron. In diesem Gefechte, das als Resultat die Zersprengung der feindlichen Eskadron hatte, tat Willi dem Feind auch persönlich Abbruch. Es fielen von seiner Hand 8 10 Kosaken. Ihm selbst wurde durch einen Schuß ein Zahnstück abgesprengt. Am ersten Tage, als Willi von Krnyca gegen W.H. Huta ritt, fühlte er sich nicht ganz wohl und teilte dies auch Trauttmansdorff, der ihn in Krnyca begegnete mit. Trauttmansdorff bot sich an `Willis Aufgabe zu lösen, worauf ihm dieser wörtlich antwortete: " Lieber Fredi; Du wirst mich doch nicht persönlich beleidigen wollen. Ich löse meine Aufgabe unbedingt selbst." Nach diesem dreitägigem von beiden Seiten heftig geführten Gefecht wurde Willi durch Leutnant Vittini abgelöst. Willi rückte jedoch nicht sofort ein, sondern betheiligte sich auch an dem von einem Generalstabsoberleutnant und Vittini inszenirtem Angriff. Dieser Angriff war selbstredend nur mehr ein Spaziergang danck der grossen und den Erfolg für sich habenden Arbeit Willis. Hierauf rückte Willi ein und bot sich ihm die allerdings nur eintägige Zeit zur Erholung in Maszina. Vom 30./11 -- 4./12 14 machte Willi nur die Märsche mit, ohne besonders verwendet worden zu sein. Am 5./12. 14 stellte sich neuerdings sein Kopfleiden ein und wurde er mittelst Kategorischem Imperativ nach Labotonji und nach einem Tag nach Alt Lutlau geschickt, woselbst er bis 12./12. 14 weilte. Am 13./12. 14 rückte er zum Regiment nach Barzyn (südl. Alt Jankez) ein, mit der Meldung, daß er vollkommen hergestellt sei. Das Regiment hatte kurz vorher diesen Ort im Angriff (offensiv) genommen und rückte weiter nach N. Jankoz vorhin, wohin es um 4h Nachmittag gelangte. Zu dieser Zeit in Neu Jankez, der Zeit der allgemeinen Offensive, war Willi nach Aussage seiner Kameraden in fast gehobener Stimmung und hatte keinerlei Schmertzen. Am 14./12. 14 marschierte die Trupp. Div. gegen Zaklyezin (südwestlich Tarnow) und erhielt die Eskadron Wagner den Auftrag, eine Unternehmung gegen feindliche Trains auf der Straße Zaklyezin Gromnik durchzuführen. Zu diesem Unternehmen meldete sich Rittmeister Wagner freiwillig- gewissermassen durch Willi fort angefeuert. Die Eskadron gelangte noch am Abend des 14. Nach Bogonowice, woselbst sie auf kleinere feindliche Kräfte stiess und Gefangene machte und schließlich dort selbst in Alarmbereitschaft nächtigte. In diesen Tagen gieng es Willi nicht gut. Der Kopfschmertz setzte wieder ein. Rittmeister Wagner drang in ihn, sich nächsten Morgen zurück und nach Teschen zu begeben, um den dort befindlichen Professor Biel zu consultieren. Willi gieng nicht. Am 15./12. Beim Morgengrauen grieff die Eskadron mit Feuer den nördlich Boganowice eingegrabenen Feind an, in der Erwartung, daß eigene Infanterie, welche 1 km südlich genächtigt haben soll, diesen Angriff, wie nach aller Lage zu erwarten war, mitmachen werde. Wilhelm wurde , da er nicht wohl, von Wagner nicht in die Feuerlinie genommen, sondern bei den Handpferden im Meierhof Boganowice zurückgehalten (Die Erwähnung der Infanterie ist nöthig, da dieselbe später eine Rolle spielte). Gleich zu Beginn des Kampfes wurde versucht, durch einen Korporal die Infantrie von dem Angriff der Eskadron zu verständigen. Da nach zweistündigem Gefecht die Infantrie noch immer nicht vorkam und die Notwendigkeit einer raschen Unterstützung immer klarer wurde, bot sich Willi an (er dürfte gegen den Standort des Eskadron Kommandanten sich begeben haben) zur Infantrie zu reiten und sie vorzubringen. Wagner untersagte Willi zu reiten, da die zur Infantrie führende Strecke (Defilée) unter fortgesetzten feindlichen Geschützfeuer war. Wagner begab sich selbst zur Infantrie und befahl noch vorher, daß die Handpferde zurück zum M.H. Katana zu führen sind. (Auch dies muß angeführt werden zur Erhellung der Lage). Wagner ahnte nicht, daß Willi ihm folgte. Willi konnte nur durch einen Gedanken bestimmt worden sein, seinem Rittmeister zu folgen nämlich daß, falls Wagner fiel, er, Willi, doch noch der Infanterie die Aufforderung zur Theilnahme an dem Kampf überbringen könne. An der unglücklichen Stelle Strasse, Wächterhaus krepierte ein russisches Schrapnell über Wagner, dessen Füllkugeln Willi trafen, dem Esc. Trompeter wurde der Helm heruntergeschossen. Ein an der Spitze der Handpferde reitender Wachtmeister, welcher Willi unmittelbar folgte, sagte nur, daß er Willi am Pferde schwanken und sich vorn überneigen sah, zu ihm ritt und ihn am Pferd zu stützen versuchte. Der Körper Willis entglitt jedoch nach 2-3 Sekunden leblos seinen Armen und fiel zu Boden. Nach circa 5 Minuten folgte Trauttmansdorff mit der Schwarmlinie, die sich grösserer feindlicher Übermacht und Munitionsmangels wegen zum Rückzuge gezwungen sah. Trauttmansdorff sah Willi 20 Schritt vom Bahnwächerthaus entfernt auf der Straße auf einer Schulter liegend tot. Trauttmansdorff trug Willi mit 2 Dragonern ins Wächterhaus und bettete ihn auf Stroh. Die Infantrie wurde noch in der Nacht vom 14. auf den 15. Zurückgenommen (wovon Wagner nichts bekannt war) und konnte dieshalbn naturgemäß nicht an Ort und Stelle sein. Durch die Freigabe der Höhen bei Bogowice (Zurückgehen der Esk. und Fehlen der Inf.) konnte der Feind mit starcken Kräften bis in den Ort Bogowice vordringen, Brücke, Straße, Wächterhaus und den Ort Czeckowice selbst beschiessen. Feindliche Patrouillen drangen bis zum Wächterhaus vor, wodurch sich die Beraubung der Leiche erklärt. Der Gegner besetzte die Höhen westlich Czeckowice, so daß es unmöglich wurde, die Leiche Willis aus dem feindlichen Feuer zu holen. Am 17./12. Nachmittags wurde unter dem Schutze der beginnenden Dunkelheit durch eine Sanitätspatrouille der Esk. Wagner der Versuch gemacht, die Leiche zu bergen, was auch trotzt des sofort auf die Sanit. Patroull. gerichtete Geschütz und Kleingewehrfeuers gelang. Rittmeister Wagner ließ in der Nacht vom 17 18 Dezember einen Sarg machen, in welchen die Leiche Willis gelegt wurde. Am 18./12. früh wurde die Leiche Willis in Bobowa, wohin ihn die San. Patr. brachte und woselbst sich auch die Esk. zur Munitionsfassung befand, eingesegnet und zu Grabe getragen. Alle Offiziere und die gesamte Mannschaft standen tief ergriffen an dem Grabe eines Helden. Ein einfaches Holzkreutz erhebt sich am Friedhof in Bobowa und zeigt durch Inschrift, daß Wilhelm Graf Wurmbrand hier ruht, der den Heldentod für sein Vaterland und Kaiser starb. Ein ergreifendes Soldatengrab. Hochverehrte Gräfin ! Es ist alles, was ich weiß. Ich bemühte mich aus den Aufzeichnungen heraus alles so zu ordnen, daß ein möglichst klares Bild wurde. Wenn es nicht ganz gelingt, bitte ich um Vergebung. Ich bitte mir noch zu gestatten, mein tiefstes Mitempfinden auszudrücken. Ein gütige Vorsehung stärcke Sie und mache Ihnen das namenlose Unglück leichter tragen. Neusser Major |
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Wilhelms Auszeichnung |
| Mit Verordnungs Blatt Nr. 24 vom 15./2. 15 erhielt Wilhelm für tapferes
Verhalten vor dem Feind das Signum Laudes am Band des Militär Verdienst Kreuzes Das alles sei erwähnt, um meinen lieben tapferen unvergesslichen Sohn bei den Verwandten und Bekannten ein kleines Monument zu schaffen und ihnen zu zeigen, welch` ritterlicher Sinn Wilhelm innewohnte und mit welcher Hingebung und Selbstaufopferung Wilhelm zu kämpfen und zu sterben wußte. |
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Für Gott, Kaiser und Vaterland
Wilhelms stolzer Vater Paul Graf Wurmbrand GMd.R. |
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Nachtrag: Grazer Tagesblatt vom 23. Juli 1915
Beisetzung eines Helden. |
| Aus Friedau wird uns geschrieben: Der Besitzer der Gutsherrschaft
Friedau, Wilhelm Graf Wurmbrand-Stuppach, fand, wie seinerteit gemeldet, am 15. Dezember
in Galizien als Reserveoffizier den Heldentod. Vor einigen Tagen wurde die Leiche samt dem
am dortigen Grabe befindlichen, mit einer Inschrift versehenem Kreuze nach Friedau
überfüht und Sonntag nachmittags vom Schlosse aus in feierlichem Zuge zur
Stadtpfarrkirche, wo die Einsegnung stattfand, und dann auf den Friedhof geleitet. Der von
sechs Rappen gezogene Leichenwagen war mit prächtigen Kränzen geschmückt, auf dem
Metallsarge lagen Helm und Säbel des Verewigten. Vorn schritten die im hiesigen
Krankenhause ihrer Heilung entgegensehenden verwundeten Krieger, die Feuerwehren von
Friedau, Großsonntag und Loperschitz, der Kriegerverein von St. Nikolai, dessen
Schutzherr Graf Wurmbrand war, und eine Abteilung Bergknappen; den Leidtragenden folgten
der Bezirksrichter mit den Beamten des Bezirksgerichtes, der Bürgermeister mit den
Gemeinderäten und viele Bewohner von Friedau und Umgebung. Zum Leichenbegängnis war die
Kapelle eines Infantrie-Regimentes aus Marburg aufgenommen worden, die jedoch infolge
dienstlicher Verhinderung nicht erscheinen konnte. Grazer Tagblatt ; Sonntag , 25. Juli 1915 Friedau, 21. Juli (Graf Wilhelm Wurmbrand Stuppach +.) Sofort bei Ausbruch des Krieges rückte Graf Wilhelm Wurmbrand-Stuppach, Herrschaftsbesitzer in Friedau, trotzdem er wegen eines Herzfehlers als Reserve-Offizier superarbitriert worden war, ein und kam auf sein wiederholtes Verlangen an die Front. Dort fand er am 15. Dezember den Heldentod. Für mutiges Verhalten vor dem Feinde wurde ihm noch nach seinem Tode die kaiserliche Anerkennung ausgesprochen. Nun ließ ihn seine Witwe nach Friedau überführen , wo er Sonntag bestattet wurde. Die Teilnahme der Bevölkerung an dem schweren Schiksalschlage , der die hinterbliebene Witwe und die kleinen Kinder getroffen, zeigte sich durch das Leichenbegängnis, zu dem sich die ganze Stzadt und auch aus der Umgebung zahlreiche Personen eingefunden hatten. (Einen ausführlichen Bericht über das Leichenbegängnis haben wir im Morgenblatte vom 23. D. gebracht. Anm. d. Schriftltg.) Wer diesen in seiner männlichen Jugendkraft auf dem Felde der Ehre gefallenen deutschen Edelmann näher kannte, den mußte tiefe Trauer ergreifen über den Verlust, den das deutsche Volk durch den Tod dieses für sein Volk warmfühlenden Mannes erlitten hat. Graf Wurmbrand-Stuppach wäre zu wichtigen Stellungen im Interesse des deutschen Volkes berufen gewesen. Ehre seinem Andenken! |
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